Nationaler Normenkontrollrat

Stellungnahme des Nationalen Normenkontrollrates

Stellungnahme des NKR zum Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

NKR-Stellungnahme Nr. 4719 vom 19. Februar 2019
an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gemäß § 6 Absatz 1 des Gesetz zur Einsetzung eines Nationalen Normenkontrollrates (NKR-Gesetz)

Der Nationale Normenkontrollrat hat den Entwurf des oben genannten Regelungsvorhabens geprüft.

I. Zusammenfassung

Bürgerinnen und Bürger
Keine Auswirkungen
auf den Kostenaufwand
Umfang Studien- bzw. Ausbildungsdauer bleiben gleich
Wirtschaft
Keine Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand
Verwaltung
Länder (vor allem Hochschulen)
Jährlicher Erfüllungsaufwand:
Rund 47 Millionen Euro
Pro Universitätsstandort (50)
rund 940.000 Euro
Weitere Prüfkriterien
Evaluierung
Das Gesetz wird fünf Jahre nach Inkrafttreten evaluiert. Dabei soll überprüft werden, ob sich der Erfüllungsaufwand wie prognostiziert entwickelt hat und, ob diese Entwicklung in einem angemessenen Verhältnis zu den festgestellten Regelungswirkungen steht. Eine Evaluierung der Psychotherapeutischen Prüfung findet regelmäßig und systematisch durch die Hochschulen sowie durch das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen statt.
Ziele:
Angebot einer qualifizierten, patientenorientierten, bedarfsgerechten und flächendeckenden psychotherapeutischen Versorgung auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Für die Zielerreichung soll der psychotherapeutische Beruf einheitlicher, für alle gleich und attraktiver gestaltet werden.
Kriterien:
zum Beispiel tatsächlich Betreuungsrelation der Studierenden im Bachelor- und Masterstudiengang.
Datengrundlage:
Daten des Statistischen Bundesamtes und Befragung der Länder.
Ergebnis der Prüfung durch den NKR--Nationaler Normenkontrollrat
Das Bundesministerium für Gesundheit hat den Erfüllungsaufwand nachvollziehbar dargestellt. Der Nationale Normenkontrollrat erhebt im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags keine Einwände gegen die Darstellung der Gesetzesfolgen in dem vorliegenden Regelungsentwurf.

II. Im Einzelnen

Der bisherige Ausbildungsverlauf beinhaltete zunächst für Psychologische Psychotherapeuten ein Studium der Psychologie beziehungsweise für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ein Studium der Pädagogik oder Sozialpädagogik. Darauf folgte eine psychotherapeutische praktische Ausbildung mit der jeweiligen Ausrichtung von mindestens drei Jahren. Die daraus resultierenden Ausbildungskosten waren von den Auszubildenden selbst zu tragen. Im Anschluss erhielten die Auszubildenden die Approbation.

Infolge eines breiten Dialogs mit den betroffenen Akteuren und Interessenvertretern und auf Grundlage des Forschungsgutachtens zur Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wird die psychotherapeutische Ausbildung novelliert.

Der neue Ausbildungsweg beinhaltet künftig ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie auf Masterniveau, das mit der Approbation abgeschlossen wird. Dabei werden die hochschulische und praktische Ausbildung stärker als bisher miteinander verzahnt. Im Anschluss folgt eine Weiterbildung, die aufgrund der bereits erlangten Approbation künftig nicht mehr in Form eines Praktikantenverhältnisses durchlaufen wird, sondern in einem Angestelltenverhältnis mit einer entsprechenden Vergütung. Somit müssen die an der Ausbildung Teilnehmenden künftig nicht mehr für den größten Teil der Finanzierung selbst aufkommen. Mit der Weiterbildung sollen Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen gesetzt und eine vertiefte Qualifizierung in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren erworben werden.

Bisherige inhaltliche Überschneidungen zwischen dem Studium und der psychotherapeutischen Ausbildung und damit das Erfüllen redundanter Anforderungen, werden dadurch reduziert. Zudem erlaubt dieser Weg eine verfahrensbreite und alterspannenübergreifende psychotherapeutische Qualifikation.


II.1     Erfüllungsaufwand

Das Ressort hat die Berechnungen zum Erfüllungsaufwand mit Hilfe der Länder nachvollziehbar dargestellt.
Für Bürgerinnen und Bürger sowie Wirtschaft entsteht kein Erfüllungsaufwand.

Verwaltung (Länder – vor allem Hochschulen)

Für die Länder entsteht ein jährlicher Erfüllungsaufwand von insgesamt 47 Millionen Euro. Dieser ergibt sich durch die Neustrukturierung der psychotherapeutischen Ausbildung, mit der das theoretische stärker mit dem praktischen Handlungswissen verknüpft werden soll. Dies erfordert eine intensivere Betreuung der Studierenden sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudiengang sowie eine Umstrukturierung der Prüfungen.

Zusätzlicher Betreuungsaufwand

Der zusätzliche Ausbildungsaufwand in Universitäten wird durch studiengangspezifische Normwerte (Curricularnormwerte) festgelegt. Diese Werte bestimmen den Aufwand, der für die ordnungsgemäße Ausbildung eines Studierenden im jeweiligen Studiengang erforderlich ist. Es ist demnach ermittelbar, wie viele Studierende mit der vorhandenen Personalausstattung theoretisch unterrichtet werden können. Aber auch, wie viele Lehrkapazitäten bei gegebenen Studienplan und Studierendenzahlen erforderlich sind.

Die bereits an den Universitäten bestehenden Bachelorstudiengänge der Psychologie decken die inhaltlichen und quantitativen Anforderungen an das nach vorliegendem Gesetzentwurf strukturierte Bachelorstudium weitestgehend ab und sollen daher auch genutzt werden. Mehraufwand entsteht jedoch für bestimmte Module. Dies erfordert eine größere Betreuungsintensität und mehr Lehrpersonal mit einer bestimmten Qualifikation. Nach Berechnungen der Länder beträgt dieser Mehraufwand einen curricularen Anteil von 0,3 Semesterwochenstunden je Studienanfänger. Je Semesterwochenstunden wird ein Kostensatz von 10.000 Euro in der Lehreinheit Psychologie angesetzt. Je Studienanfänger (3.500 Studienanfänger) sind dies 3.000 Euro. Insgesamt entsteht daher ein Mehraufwand von rund 10,5 Millionen. Euro pro Jahr.  

Für das Masterstudium ist mit einer sehr intensiven Betreuung zu rechnen, die im Durchschnitt über alle 50 Standorte zu einem kapazitativen Mehraufwand von 1 Semesterwochenstunden pro Studienanfänger führt. Der Mehraufwand pro Jahr wird daher auf insgesamt 28 Mio. Euro geschätzt (1 x 10.000 Euro x 2.800 Studierende). Je Standort entsteht ein Mehraufwand von rund 560.000 Euro.

Für die berufspraktischen Einsätze während des Studiums schätzen die Länder einen zusätzlichen Aufwand von einer Stelle im höheren Dienst (hD) für die Kooperation und Begleitung der Studierenden während des Bachelor- (30 Prozent) und des Masterstudiums (70 Prozent) je Studienstandort und Jahr. Insgesamt wird daher ein Mehraufwand von rund 4,6  Euro geschätzt (50 Standorte, 1 Stelle hD rund 93.000 Euro).

Zusätzlicher Aufwand für die Psychotherapeutische Prüfung

Hier geht das Ressort in Zusammenarbeit mit den Ländern und dem Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen von einem zusätzlichen jährlichen Erfüllungsaufwand von rund 3,9 Millionen Euro aus.

Die wesentlichen Kosten fallen hier für:

  • die Anmietung von Prüfungsräumen durch die Landesprüfungsämter von 500.000 Euro,
  • das Honorar für zusätzliche qualifizierte Prüfer von rund 1,3 Millionen Euro,
  • die notwendige Schulung der Prüfer und insbesondere des Schauspielpersonals (Prüfung in Patientensituation unter Beobachtung  des Prüfers) von rund 1,5 Millionen Euro sowie
  • die jährliche Entwicklung von 50 Prüfungsfragen für die sogenannte Parcoursprüfung (Prüflingen durchlaufen bis zu 20 Prüfungsstationen) von 553.000 Euro an.

II.2     Evaluierung

Das Gesetz wird fünf Jahre nach Inkrafttreten evaluiert. Dabei soll überprüft werden, ob sich der Erfüllungsaufwand wie prognostiziert entwickelt hat und ob diese Entwicklung in einem angemessenen Verhältnis zu den festgestellten Regelungswirkungen steht.

Eine Evaluierung der Psychotherapeutischen Prüfung findet regelmäßig und systematisch durch die Hochschulen sowie das IMPP statt.

III.    Ergebnis

Das Bundesministerium für Gesundheit hat den Erfüllungsaufwand nachvollziehbar dargestellt. Der Nationale Normenkontrollrat erhebt im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags keine Einwände gegen die Darstellung der Gesetzesfolgen in dem vorliegenden Regelungsentwurf.

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