Nationaler Normenkontrollrat

Bürokratieindex für Arztpraxen eingeführt

Nach dem Vorbild des Bürokratiekostenindex des Statistischen Bundesamtes haben Ärzte und Psychotherapeuten nun einen eigenen Bürokratieindex eingeführt. Dieser zeigt wie viel Zeit in den Praxen für Büroarbeit tatsächlich aufgewendet wird.

Arzt in seiner Praxis mit zahlreichen Karteikästen Arzt in seiner Praxis mit zahlreichen Karteikästen Arzt in seiner Praxis mit zahlreichen Karteikästen Foto: Burkhard Peter

Arzt in seiner Praxis mit zahlreichen Karteikästen Arzt in seiner Praxis mit zahlreichen Karteikästen Foto: Burkhard Peter

Der neue Bürokratieindex für Arztpraxen zeigt: Der Bürokratieaufwand in deutschen Arztpraxen ist zwar im Jahr 2016 leicht gesunken aber immer noch viel zu hoch. Konkret sind die Bürokratiestunden in Arztpraxen von insgesamt 55 Millionen im Jahr 2013 auf rund 52 Millionen in 2016 gesunken. Diese 52 Millionen Stunden haben die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im Jahr 2016 allein für die Büroarbeit durch Vorgaben der Selbstverwaltung aufgewandt. Erheblicher Aufwand wurde in dem Bürokratieindex für die Auskünfte identifiziert, die niedergelassene Ärzte an Krankenkassen und deren Medizinischen Dienst erteilen. Das ist Zeit, in denen keine Patienten behandelt werden können. Daher fordert die Ärzteschaft nun die verbindliche Festlegung eines Abbauziels. Ein solches Ziel könne maßgeblich dazu beitragen, dass für die Behandlung der Patienten wieder mehr Zeit zur Verfügung stehe.

Grundlage für den Bürokratieindex war die Bestandsmessung der Bürokratiekosten von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten. Diese hatte der Nationale Normenkontrollrat in seinem Projekt "Mehr Zeit für Behandlung" gemeinsam mit Akteuren des Gesundheitswesen durchgeführt und im Jahr 2015 veröffentlicht. Diese Messung wurde von der KBV auf den aktuellen Stand gebracht. Dabei wurden neue Informationspflichten berücksichtigt und die zugrundeliegenden jährlichen Fallzahlen aktualisiert.

Der bislang nur "gefühlten" Belastung stünden spätestens seit dem Abschlussbericht des Normenkontrollrats vom Sommer 2015 klare und belegbare Daten gegenüber, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, bei der Vorstellung des Bürokratieindexes im November 2016. "Mit dem Bürokratieindex bekommen wir nun ein Instrument, das die Entwicklung der Bürokratiebelastung im Verlauf sichtbar macht", so Dr. Gassen weiter.

Der Bürokratieindex wurde von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KV WL) und der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) in Berlin nach dem Vorbild des Bürokratiekostenindexes des Statistischen Bundesamtes erarbeitet. Er soll transparent machen, wie sich die Belastung durch Bürokratie in den Praxen entwickelt. Für die Ermittlung des Indexes wird nur der Anteil an Verwaltungsaufgaben betrachtet, der durch Vorgaben der Selbstverwaltung verursacht wird, also zum Beispiel Regelungen der KBV oder des Gemeinsamen Bundesausschusses. Gesetzliche Regelungen fallen nicht darunter. Diese werden durch das Statistische Bundesamt in einem eigenen Index geführt.

Der Bürokratieindex soll künftig jährlich aktualisiert und veröffentlicht werden. Damit wollen die Initiatoren die öffentliche Diskussion um die bürokratische Belastung in Arztpraxen regelmäßig mit empirischen Fakten begleiten.

Weiterführende Informationen:

Informationen zum Bürokratieindex der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Zum NKR-Bericht "Mehr Zeit für Behandlung – So kann unnötige Bürokratie in Arzt- und Zahnarztpraxen abgebaut werden"