Nationaler Normenkontrollrat

Stellungnahme des Nationalen Normenkontrollrates gem. § 6 Abs. 1 NKR-Gesetz: NKR-Nr. 3104

Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Ziel des Regelungsvorhabens ist es, den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher im Bereich von Immobiliendarlehen und bei der Überziehung von Girokonten zu erhöhen. Das Regelungsvorhaben besteht aus zwei Teilen: Einerseits werden die Vorgaben der Wohnimmobilienkreditrichtlinie in nationales Recht umgesetzt und andererseits werden zwei Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag realisiert.

I. Zusammenfassung

Bürgerinnen und BürgerErfüllungsaufwandkeine Auswirkungen
WirtschaftJährlicher Erfüllungsaufwandrund 65 Mio. Euro
davon Bürokratiekostenrund 39 Mio. Euro
Einmaliger Erfüllungsaufwandrund 5,8 Mio. Euro
Verwaltung von Bund und LändernJährlicher Erfüllungsaufwandrund 0,2 Mio. Euro
Einmaliger Erfüllungsaufwandrund 0,8 Mio. Euro
Der Aufwand der Verwaltung wird teilweise durch Gebühreneinnahmen kompensiert.
Erwägungen zum Zeitpunkt des Inkrafttretens, zur Befristung und EvaluierungDie Europäische Kommission plant, die EU Richtlinie bis zum 21. März 2019 zu überprüfen. Das Ressort wird die von der EU Kommission angeforderten Evaluierungsbeiträge erbringen. Eine darüber hinausgehende Evaluierung ist derzeit nicht geplant und soll gegebenenfalls auf den Ergebnissen der EU Kommission aufbauen. Das Vorhaben wird nach fünf Jahren in Bezug auf den Teil evaluiert, der die Verpflichtung zur Beratung bei Überziehung des Girokontos einführt (nationale Vorgabe).
1:1-Umsetzung von EU-Recht
(Gold plating)
Soweit das Vorhaben die EU-Richtlinie umsetzt, liegen dem Normenkontrollrat keine Anhaltspunkte dafür vor, dass über eine 1:1-Umsetzung hinausgegangen wird.
Mit dem Vorhaben wird auch der Koalitionsvertrag umgesetzt, indem die Beratung im Fall der dauerhaften und erheblichen Kontenüberziehung geregelt wird. Dadurch entstehen ein jährlicher Erfüllungsaufwand von rund 27 Mio. Euro und ein Umstellungsaufwand von rund 70.000 Euro. 
Weitere KostenFür die Teilnahme der Immobilienkredit-Vermittler an der Sachkundeprüfung fallen im Einzelfall Gebühren von etwa 400 Euro an. Darüber hinaus haben die Immobilienkredit-Vermittler eine Gebühr von voraussichtlich zwischen 25 und 40 Euro für die Eintragung in das IHK-Register zu entrichten.
Das Ressort hat umfangreiche Anstrengungen unternommen, um den Erfüllungsaufwand zu ermitteln. Mit den Stellungnahmen vor allem der Kreditwirtschaft, der Länder und weiterer Verbände konnte die Kostenabschätzung des zu erwartenden Erfüllungsaufwands auf eine belastbarere Grundlage gestellt werden. Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) begrüßt das hierzu durchgeführte Verfahren ausdrücklich.
Für das Regelungsvorhaben ist jedoch insgesamt festzustellen, dass die dem Erfüllungsaufwand zugrunde liegenden Abschätzungen mit einigen Unsicherheiten behaftet sind. Das gilt insbesondere für die Abschätzungen zu den neuen Beratungspflichten bei Überziehung des Girokontos. Diese bestehenden Unsicherheiten über die Wirkungen des Regelungsvorhabens unterstreichen die Notwendigkeit der geplanten Evaluation.

II. Im Einzelnen

2.1. Inhalt des Regelungsvorhabens

a.) Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Die umfangreichen Vorgaben der EU-Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten, die teilweise deutlich von den existierenden nationalen Regelungen abweichen, erfordern ein neues Regelungskonzept. Der Verbraucherdarlehensvertrag nach §§ 491 ff. BGB soll künftig einen Oberbegriff bilden, der in die Untergruppen der Immobiliarverbraucher-Darlehensverträge und der allgemeinen Verbraucherdarlehens-Verträge unterteilt wird.

Ziel der Regelungen zu den Verbraucherdarlehen für Immobilien ist es, die Verbraucherinnen und Verbraucher besser als bisher über die Kreditbedingungen zu informieren und Überschuldungen zu vermeiden.

Dazu werden folgende vorvertragliche Informationspflichten für Immobiliendarlehensgeber eingeführt:

(1)  Der Immobiliendarlehens-Geber muss dem Interessenten künftig das Europäische Standardisierte Merkblatt, das ESIS Merkblatt, übergeben. Das Merkblatt enthält Informationen über den Darlehensgeber und den Kredit. Bisher hatte der Darlehensgeber zwar vergleichbare Informationen ebenfalls zu erteilen, er musste dazu jedoch nicht auf ein bestimmtes Formular zurückgreifen.

(2)  In den Fällen, in denen sich die Vertragsbedingungen im Laufe der Verhandlungen ändern, ist künftig erneut ein entsprechend angepasstes ESIS Merkblatt zu übergeben.

(3)  Die Ergebnisse einer Beratungsleistung haben die Darlehensgeber künftig dem möglichen Darlehensnehmer auf einem dauerhaften Datenträger zu übergeben. Möglich ist auch, diese auf dem ESIS Merkblatt einzufügen.

(4)  Der Darlehensgeber hat dem Darlehensnehmer die Folgen einer Kündigung für Finanzprodukte oder -dienstleistungen zu erläutern, die im Paket mit einem Immobiliendarlehen angeboten werden.

Zudem wird die Verpflichtung der Kreditinstitute, die Kreditwürdigkeit des Kunden zu prüfen, schuldrechtlich verankert.

Falls der Darlehensnehmer während der Vertragslaufzeit mitteilt, dass er beabsichtigt, das Darlehen vorzeitig zurückzuzahlen, hat der Darlehensgeber ihm die für diese Möglichkeit erforderlichen Informationen in Textform zu übermitteln.

In Umsetzung der Richtlinie werden Standards eingeführt, um die Qualität der Beratung durch gewerbliche Immobilienkredit-Vermittler zu gewährleisten. Die Anforderungen, die an die gewerberechtliche Erlaubnis der Tätigkeit von Immobilienkredit-Vermittlern gestellt werden, werden dazu verschärft:

(1)  Es wird die Verpflichtung eingeführt, dass Immobilienkredit-Vermittler eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen haben.

(2)  Neue Vermittler müssen künftig eine Sachkundeprüfung ablegen. Bereits tätige Vermittler müssen entweder eine Sachkundeprüfung ablegen oder einen Nachweis ihrer Erfahrung erbringen.

(3)  Die Immobilienkredit-Vermittler unterliegen zudem künftig einer Registrierungspflicht bei der Industrie- und Handelskammer.

Die zugrundeliegende EU-Richtlinie beinhaltet ferner Vorgaben hinsichtlich der Berechnung des effektiven Jahreszinses. Diese werden in der Preisangaben-Verordnung umgesetzt.

b.)  Umsetzung des Koalitionsvertrags

Die Kreditinstitute sollen künftig dazu verpflichtet sein, dem Kunden eine Beratung über kostengünstigere Alternativen anzubieten, wenn dieser sein Konto dauerhaft und erheblich überzieht.

Eine dauerhafte und erhebliche Überziehung nach § 504a BGB liegt vor, wenn der Kunde:

  • 75 Prozent des eingeräumten Dispositionskredits

  • ununterbrochen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten in Anspruch nimmt.

Die Verpflichtung zur Übersendung eines Beratungsangebots greift auch bei sog. geduldeten Überziehungen. Eine geduldete Überziehung liegt vor, wenn der Kunde den vereinbarten Überziehungsrahmen überschritten hat oder es keine Vereinbarung über einen Überziehungsrahmen gibt. In diesen Fällen liegen die Kosten in der Regel über den Zinsen, die für die Überziehung des Girokontos zu entrichten sind. Eine dauerhafte und erhebliche Überziehung liegt nach § 505 BGB dann bereits vor, wenn der Kunde:

  • in einem Zeitraum von mehr als drei Monaten ununterbrochen

  • sein Konto so überzieht, dass der durchschnittliche Überziehungsbetrag die Hälfte des durchschnittlichen monatlichen Geldeingangs übersteigt.

Das Angebot zur Beratung ist in beiden Fällen zu wiederholen, wenn die Bedingungen einer dauerhaften und erheblichen Überziehung erneut durch den Kunden erfüllt werden und zwischenzeitlich kein Beratungsgespräch durchgeführt oder kein Vertrag über ein alternatives kostengünstigeres Finanzprodukt abgeschlossen wurde.

In Umsetzung des Koalitionsvertrags soll zudem das Institut eines Honorarberaters für den Anwendungsbereich von Immobiliendarlehen eingeführt werden. Das Institut des Honorarberaters ist zugleich auch in der EU-Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten angelegt. Der Honorarberater muss zusätzlich zu den übrigen Voraussetzungen, die für Immobiliendarlehens-Geber gelten, seinem Angebot einen ausreichenden Marktüberblick zugrunde legen. Seine Unabhängigkeit wird dadurch gewährleistet, dass er sich seine Beratungsleistung allein durch Zuwendungen des Kunden entgelten lassen darf.

2.2. Erfüllungsaufwand

Das Regelungsvorhaben verursacht insgesamt einen jährlichen Erfüllungsaufwand von 65 Mio. Euro für die Wirtschaft und von 221.000 Euro für die Verwaltung. Der Umstellungsaufwand wird für die Wirtschaft mit 5,8 Mio. Euro und mit 792.000 Euro für die Verwaltung beziffert.

Davon entfällt auf die Umsetzung der EU-Richtlinie ein jährlicher Aufwand für die Wirtschaft von rund 38 Mio. Euro und 221.000 Euro für die Verwaltung. Der Umstellungsaufwand für die Umsetzung der EU-Richtlinie beträgt rund 5,4 Mio.  Euro für die Wirtschaft und 792.000 Euro für die Verwaltung.

Das Vorhaben zur Umsetzung des Koalitionsvertrags bedeutet für die Wirtschaft einen zusätzlichen jährlichen Erfüllungsaufwand von rund 27 Mio. Euro und einen Umstellungsaufwand von 70.000 Euro.

Für die Bürgerinnen und Bürger entsteht durch das Regelungsvorhaben kein zusätzlicher Erfüllungsaufwand.

Das Ressort hat die Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand und der der Schätzung zugrunde liegenden Annahmen ausführlich dargestellt. Der NKR nimmt hierzu wie folgt Stellung:

a.)   Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Wirtschaft

Der jährliche (rund 38 Mio. Euro) und der einmalige Aufwand (rund 5,4 Mio. Euro) der Wirtschaft werden maßgeblich verursacht durch die Einführung von vorvertraglichen Informationspflichten bei Immobiliendarlehen und die Verschärfung der Erlaubnisvoraussetzungen für Immobilienkredit-Vermittler.

Die im Folgenden zugrunde gelegten Lohnkosten für die Immobilienkredit-Vermittler orientieren sich an der Lohnkostentabelle des Statistischen Bundesamtes für den Wirtschaftsabschnitt K (Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008). Für ein durchschnittliches Qualifikationsniveau betragen diese 40,00 Euro pro Stunde.

Erfüllungsaufwand aufgrund vorvertraglicher Informationspflichten:

Durch die Einführung von neuen vorvertraglichen Informationspflichten entsteht der Kreditwirtschaft ein zusätzlicher jährlicher Aufwand von rund 17,5 Mio. Euro und ein Umstellungsaufwand von 70.000 Euro. Dieser setzt sich wie folgt zusammen:

(1)  Ausgabe des ESIS Merkblatt

Künftig sind Geber von Immobiliendarlehen dazu verpflichtet, dem Kunden unverzüglich ein ESIS Merkblatt zu übergeben. Bisher waren die Darlehensgeber dazu verpflichtet, rechtzeitig vor dem Abschluss entweder ein künftig nicht mehr gültiges standardisiertes Merkblatt oder eine andere Dokumentation in Textform zu übergeben.

Für die Kreditwirtschaft bedeutet dies einen jährlichen Mehraufwand von rund 6,77 Mio. Euro. Dieser ist dadurch begründet, dass das ESIS Merkblatt insgesamt umfangreichere Standardinformationen enthält, die bei den 4,72 Mio. Kreditanfragen jeweils auszudrucken und an die Kunden auszuhändigen sind.

Die individuellen Kundeninformationen müssen bereits nach aktueller Rechtslage in jedem Einzelfall eingefügt werden, sodass daraus kein jährlicher Mehraufwand resultiert. Das Ressort geht zudem davon aus, dass aus der geringfügigen Verschiebung des Zeitpunkts der Verpflichtung zur Übergabe des Informationsblatts keine wesentliche Erhöhung der Fallzahl auszugebender Merkblättern folgt.

Den 2.029 Kreditinstituten entsteht ein einmaliger Aufwand von 70.000 Euro dadurch, dass sie das ESIS Merkblatt als Standardvorlage einführen müssen. Das Ressort hat hierfür jeweils eine Dauer von 52 Minuten angesetzt.

(2)  Erneute Ausgabe des ESIS Merkblatt bei Änderungen

Neu ist die Verpflichtung, dass bei Änderungen im Laufe der Verhandlungen ein aktualisiertes ESIS Merkblatt an den Kunden herausgegeben werden muss. Der Kreditwirtschaft entsteht durch diese Verpflichtung ein zusätzlicher jährlicher Aufwand von etwa 4,05 Mio. Euro.

Der Schätzung liegt die Annahme zugrunde, dass sich bei rund 50% der abzuschließenden Kredite die Vertragsbedingungen im Laufe der Verhandlungen ändern. Die Fallzahl der abgeschlossenen Kredite beträgt jährlich etwa 2,36 Mio., sodass vorliegend von etwa 1,18 Mio. Fällen ausgegangen wird. Die Schätzung schließt die Sachkosten für den Ausdruck des Merkblatts sowie die Personalkosten für die erneute Eingabe der geänderten Größen ein.

(3)  Ausgabe des Beratungsergebnisses auf einem dauerhaften Datenträger oder auf dem ESIS Merkblatt

Das Ressort geht davon aus, dass der Kreditwirtschaft durch diese Verpflichtung ein zusätzlicher jährlicher Aufwand von 5,41 Mio. Euro entsteht. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass bei 80% der rund 4,72 Mio. Anfragen nach Immobiliendarlehen eine Beratung stattfindet, also in 3,77 Mio. Fällen. Für die Ausgabe der Ergebnisse im Einzelfall setzt das Ressort einen Personalaufwand von 2 Minuten und Sachkosten z. B. für Papier von 0,1 Euro pro Vorgang an.

(4)  Erläuterung der Kündbarkeit einzelner Sonderpakete

Durch diese vorvertragliche Informationspflicht entsteht der Kreditwirtschaft nach Angaben des Ressorts ein jährlicher Aufwand von insgesamt 1,26 Mio. Euro. Das Ressort geht dabei davon aus, dass rund 20 Prozent der Anfragen nach Immobiliendarlehen Pakete mit Finanz- und Servicedarlehen enthalten. Das entspricht einer Fallzahl von rund 944.000 Anfragen. Das Ressort legt hier eine Informationsdauer von 2 Minuten zugrunde.

Bewertung des NKR zum Aufwand für vorvertragliche Informationspflichten

Die Ausführungen des Ressorts zu den Darstellungen des Erfüllungsaufwands durch neue vorvertragliche Informationspflichten sind nach Auffassung des NKR im Ergebnis nachvollziehbar und plausibel. Die Annahmen des Ressorts beruhen einerseits auf dem Leitfaden zur Ermittlung des Erfüllungsaufwands. Andererseits hat auch die Kreditwirtschaft aufgrund praktischer Erfahrungen aus der Umsetzung der Verbraucherdarlehensrichtlinie keine Veranlassung dazu, die Annahmen des Ressorts zu bezweifeln.

Erfüllungsaufwand aufgrund der Verschärfung der Erlaubnisvoraussetzungen

Durch die Verschärfung der Erlaubnisvoraussetzungen entsteht den Immobiliendarlehens-Vermittlern ein jährlicher Mehraufwand von etwa 16,7 Mio. Euro und ein Umstellungsaufwand von rund 4,3 Mio. Euro.

(1)  Verpflichtung zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung

Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die Beiträge für die erforderliche Berufshaftpflicht-Versicherung. Diese belaufen sich auf rund 16 Mio. Euro pro Jahr. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass es rund 20.000 Immobilienkredit-Vermittler in Deutschland gibt. Die Höhe der durchschnittlichen jährlichen Beiträge beziffert das Ressort in Anlehnung an entsprechende Erhebungen für Finanzanlage-Vermittler mit etwa 800 Euro.

(2)  Erfordernis einer Sachkundeprüfung

Durch das Erfordernis einer Sachkundeprüfung entsteht den Immobilienkredit-Vermittlern ein jährlicher Aufwand von insgesamt rund 640.000 Euro. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Fluktuationsquote bei den Vermittlern jährlich bei 10% liegt, das sind 2.000 Vermittler jährlich. Hinzu kommen durchschnittlich etwa 4.000 neue Mitarbeiter der Immobilienkredit-Vermittler. Als Prüfungsdauer werden – analog zum Aufwand für Finanzanlage-Vermittler – 160 Minuten angenommen.

Der Umstellungsaufwand beläuft sich auf rund 3,2 Mio. Euro, da auch die Immobilienkredit-Vermittler, die ihre Tätigkeit innerhalb der letzten fünf Jahre aufgenommen haben, eine solche Prüfung ablegen müssen. Das Ressort geht davon aus, dass etwa die Hälfte der 20.000 Vermittler eine Sachkunde-Prüfung zu absolvieren hat. Hinzu kommen durchschnittlich zwei weitere Mitarbeiter des Vermittlers. Insgesamt wird deshalb eine Fallzahl von 30.000 zugrunde gelegt.

(3)  Beantragung der Erlaubnis

Durch das Erfordernis für die Immobilienkreditvermittler, eine Erlaubnis  zu beantragen, entsteht ein jährlicher Aufwand von insgesamt 97.000 Euro. Das Beantragen der Erlaubnis sowie die Beschaffung der hierfür erforderlichen Unterlagen nehmen nach Angaben des Ressorts rund 70 Minuten Zeitaufwand pro Vermittler in Anspruch. Die Fallzahl der jährlichen Fluktuation beziffert das Ressort auf 2.000.

Unterlagen zum Nachweis der Zuverlässigkeit (Führungszeugnis) zum Vorliegen geordneter Vermögensverhältnisse (Auszug aus dem Schuldnerregister) sowie eine Bescheinigung der Meldebehörden mussten die Immobilienkredit-Vermittler auch bisher bereits vorlegen. Insoweit fällt deshalb kein Mehraufwand an.

Der Umstellungsaufwand für die bereits tätigen rund 20.000 Vermittler beläuft sich entsprechend der angenommenen Dauer von 70 Minuten auf rund 973.000 Euro.

(4)  Verpflichtung zur Registrierung

Den jährlichen Aufwand für die Immobilienkreditvermittler durch die Registrierung schätzt das Ressort auf etwa 33.000 Euro. Den Berechnungen liegt eine Fallzahl von insgesamt 6.000 Vermittlern und registrierungspflichtigen Mitarbeitern sowie eine Dauer von durchschnittlich 8 Minuten zugrunde. Für die ermittelte Dauer verweist das Ressort auf Messungen, die zur Registrierungspflicht von Versicherungsvermittlern vorgenommen wurden.

Der Umstellungsaufwand für die insgesamt 60.000 bereits tätigen Vermittler und ihre registrierungspflichtigen Mitarbeiter wird mit 321.000 Euro beziffert.

Weiterer Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft

Durch die Umsetzung der EU-Richtlinie entsteht daneben folgender Aufwand für die Kreditwirtschaft:

(1)  Der Kreditwirtschaft entsteht zusätzlicher jährlicher Aufwand von rund 3,5 Mio. Euro durch die Verpflichtung, den Darlehensnehmer über Möglichkeiten einer vorzeitigen Rückzahlung des Darlehens zu informieren, wenn der Darlehensnehmer ein entsprechendes Begehren äußert.

(2)  Die Änderungen zur Berechnung des effektiven Jahreszinses verursachen Umstellungsaufwand durch die erforderlichen Umstellungen der Computerprogramme von rund 1,06 Mio. Euro.

(3)  Den 2.029 Kreditinstituten entsteht zudem ein Umstellungsaufwand von 70.000 Euro durch die Verpflichtung, ein standarisiertes Informationsblatt zur Kreditwürdigkeitsprüfung zu erstellen. Das Ressort legt hier einen Zeitaufwand im Einzelfall von 52 Minuten zugrunde.

(4)  Da die Kreditwürdigkeit des Kunden sowohl bei allgemeinen Verbraucherdarlehen als auch bei Immobiliendarlehen bereits nach geltender Rechtslage zu prüfen ist und die Unterlagen aufzubewahren sind, entsteht der Wirtschaft daraus kein zusätzlicher jährlicher Erfüllungsaufwand.

Bewertung des NKR zum Aufwand für die Verschärfung der Erlaubnisvoraussetzungen und des weiteren Erfüllungsaufwands für Immobilienkredit-Vermittler

Das Ressort bezieht sich bei seiner Kostenschätzung im Wesentlichen auf Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes, das Erhebungen zu vergleichbaren Vorgaben für Finanzanlagen-Vermittler oder Versicherungsvermittler durchgeführt hat. Seitens der Verbände liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, die Ausführungen des Ressorts zu bezweifeln. Die Darstellung des Erfüllungsaufwands ist deshalb nach Auffassung des NKR nachvollziehbar und plausibel.

Verwaltung

Für die Verwaltung entsteht durch die Umsetzung der Richtlinie ein jährlicher Erfüllungsaufwand von 221.000 Euro und ein Umstellungsaufwand von 792.000 Euro.

Im Wesentlichen wird dieser Erfüllungsaufwand durch die folgenden Verpflichtungen ausgelöst:

(1)  Prüfung zusätzlicher Erlaubnisvoraussetzungen durch die zuständigen Behörden auf Länder- und Kommunalebene

Die Gewerbebehörden der Länder müssen für jährlich 2.000 neue Immobilienkreditvermittler im Erlaubnisverfahren zusätzliche Voraussetzungen, wie z. B. den Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung, prüfen. Dadurch entsteht ein personeller Mehraufwand von 54.000 Euro. Als Zeitwert werden für den Einzelfall 60 Minuten angesetzt. Bei den Lohnkosten geht das Ressort von einem Stundensatz von 27,10 Euro aus (Land, mittlerer Dienst).

Den Umstellungsaufwand für die rund 20.000 bereits tätigen Immobilienkredit-Vermittler beziffert das Ressort mit etwa 542.000 Euro.

(2)  Überwachung der Vorschriften durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Die BaFin ist künftig zur Überwachung von mehr Sachverhalten als bisher verpflichtet. Dies ist nach Angaben der BaFin voraussichtlich mit einem zusätzlichen jährlichen Aufwand von rund 163.000 Euro verbunden.

(3)  Erweiterung des IHK-Registers um das Vermittlerregister

Das Ressort geht davon aus, dass die bereits bestehende Infrastruktur genutzt und weiterentwickelt werden kann. Für die erforderlichen Umprogrammierungen etc. setzt das Ressort Umstellungskosten von 250.000 Euro an. Ein jährlicher Aufwand durch den Betrieb des Registers entsteht nach Angaben des Ressorts nicht, da der anfallende Aufwand im Rahmen des Betriebs des bereits vorhandenen IHK-Registers mit bewältigt werden kann.

Der Erfüllungsaufwand der Verwaltung wird teilweise durch Gebühreneinnahmen für die Sachkundeprüfung (etwa 400 Euro im Einzelfall) und die Registereintragung (etwa 25 bis 40 Euro im Einzelfall) kompensiert.

Bewertung des NKR zum Erfüllungsaufwand der Verwaltung

Der NKR erachtet die Darstellung des Ressorts insgesamt für nachvollziehbar und plausibel.

b.)  Umsetzung des Koalitionsvertrages

Für Honorarberater entsteht über die Vorgaben der EU-Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten hinaus kein zusätzlicher Aufwand durch nationale Vorgaben.

Die neuen Pflichten für die Darlehensgeber zur Beratung von Kunden für dauerhaft überzogene Girokonten verursachen für die Kreditwirtschaft einen jährlichen Aufwand von 27,4 Mio. Euro sowie einen Umstellungsaufwand von 70.000 Euro. Die Regelungen haben keine Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Verwaltung.

Das Ressort geht dabei davon aus, dass die Verpflichtung zum Angebot einer Beratung jährlich insgesamt in 6,65 Mio. Fällen eintritt. Jährlich werden nach Angaben der Kreditwirtschaft etwa 4,8 Mio. Konten länger als sechs Monate und mit über 75% des eingeräumten Kreditrahmens überzogen. Hinzu kommen etwa weitere 1,85 Mio. Konten, die ohne eine Kreditvereinbarung erheblich überzogen sind und dies vom Kreditinstitut geduldet wird.

Unter Berücksichtigung dieser Fallzahlen beziffert das Ressort den Erfüllungsaufwand der einzelnen neuen Vorgaben wie folgt:

(1)  Erstmaliges Beratungsangebot unterbreiten

Das Ressort geht davon aus, dass dadurch für die Kreditwirtschaft jährliche Kosten von rund 831.000 Euro und ein Umstellungsaufwand von 70.000 Euro entstehen. Dem liegen folgende Annahmen zugrunde:

Das Ressort geht davon aus, dass das Beratungsangebot mit Hilfe einer standardisierten Vorlage unterbreitet wird. Dazu müssen die 2.029 Kreditinstitute ein Standardanschreiben bzw. eine entsprechende E-Mail entwerfen, mit Hilfe derer den Kunden das Beratungsangebot unterbreitet wird. Das Ressort geht davon aus, dass der Zeitaufwand im Einzelfall 52 Minuten beträgt. Der Umstellungsaufwand beträgt danach rund 70.000 Euro.

Das Ressort nimmt zudem an, dass für die Übersendung dieses Angebotes nur teilweise Portokosten anfallen. Denn etwa 50 % der Konten werden als Onlinekonten geführt, dies entspricht einer Fallzahl von rund 3,33 Mio. Bei den verbleibenden 3,33 Mio. Kontenüberziehungen geht das Ressort davon aus, dass Sachkosten von rund 831.000 Euro entstehen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass in etwa der Hälfte dieser Fälle das Beratungsangebot dem Kunden gleichzeitig mit dem ohnehin zu übermittelnden Rechnungsabschluss übersandt wird, sodass in 1,66 Mio. Fällen zwar Kosten für den Ausdruck, insgesamt rund 166.250 Euro, entstehen, jedoch keine Portokosten. Für die 1,66 Mio. verbleibenden Fälle fallen insgesamt rund 665.000 Euro jährliche Kosten an, da neben den Kosten für den Ausdruck (0,1 Euro) auch Portokosten von 0,3 Euro zu berücksichtigen sind.

(2)  Durchführung der Beratung

Aus der Verpflichtung zur Beratung resultiert für die Kreditwirtschaft ein jährlicher Aufwand von rund 8 Mio. Euro. Das Ressort geht davon aus, dass etwa 10 % der Kunden das Beratungsangebot annehmen. Dies entspricht etwa 660.000 Fällen jährlich. Die durchschnittliche Dauer des Beratungsgesprächs wird vom Ressort mit 18 Minuten angesetzt.

(3)  Dokumentation des Beratungsangebotes, einer Handlungsempfehlung bzw. Angabe der Gründe für ein Nichtzustandekommen

Die Vermittler haben zu dokumentieren, dass sie ein Beratungsangebot unterbreitet und gegebenenfalls welche Handlungsempfehlung sie ausgesprochen haben oder dass keine Beratung stattgefunden hat. Das Ressort geht davon aus, dass dazu Vorlagen genutzt werden und beziffert den Zeitaufwand für die Dokumentation im Einzelfall mit 2 Minuten. Für 6,65 Mio. Fälle entsteht deshalb ein jährlicher Aufwand von rund 9 Mio. Euro.

(4)  Beratungsangebot bei erneutem Vorliegen der Voraussetzungen

Sofern bei einem Kunden erneut die Bedingungen einer dauerhaften und erheblichen Überziehung erfüllt sind, muss das Kreditinstitut ein weiteres Angebot zur Beratung unterbreiten. Dadurch entsteht ein jährlicher Erfüllungsaufwand durch Kosten für Porto und Kopien von etwa 168.000 Euro sowie ein Beratungsaufwand von 3,6 Mio. Euro.

Den vom Ressort angenommenen Fallzahlen liegen dabei folgende Erwägungen zugrunde: Etwa die Hälfte der Kunden, die zuvor noch nicht beraten wurden, teilt auf das erste Angebot hin mit, keine weiteren Angebote erhalten zu wollen, das sind rund 3 Mio. Kunden. Diesen muss dann kein erneutes Angebot übersandt werden. Die andere Hälfte, also ebenfalls rund 3 Mio. Kunden, überzieht das Girokonto erneut dauerhaft und erheblich, sodass die Kreditinstitute ein weiteres Angebot zur Beratung unterbreiten müssen. Davon nehmen wiederum 10% der Kunden voraussichtlich eine Beratung an, das sind etwa 300.000 Kunden.

(5)  Dokumentation eines Beratungsangebotes, und gegebenenfalls von Ort und Zeit der Beratungsgespräche bei erneutem Vorliegen der Voraussetzungen

Das Ressort geht davon aus, dass durch die Dokumentation der weiteren Angebote, der Handlungsempfehlungen und der Gründe für das Nichtzustandekommen ein jährlicher Aufwand von rund 5,8 Mio. Euro entsteht. Der Kostenschätzung wurde im Einzelfall ein Dokumentationsaufwand von 2 Minuten zugrunde gelegt.

Bewertung des NKR zum Aufwand durch die Beratungspflichten bei dauerhaft und erheblich überzogenem Girokonto

Das Ressort hat umfangreiche Anstrengungen unternommen, um die Folgekosten der neu eingeführten Verpflichtungen der Kreditinstitute bei dauerhaft und erheblich überzogenen Girokonten zu schätzen. Es liegen jedoch nur wenige Erfahrungswerte für ähnliche Verpflichtungen der Kreditinstitute vor, die als Leitlinien dienen können. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Annahmen mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet sind. Insgesamt werden die Annahmen jedoch durch die Beteiligung der Kreditwirtschaft auf eine tragfähige Grundlage gestellt. Die Deutsche Kreditwirtschaft hat auf Nachfrage keine Anhaltspunkte dafür, die Plausibilität der Annahmen des Ressorts zu bezweifeln. Dies bezieht sich insbesondere auch auf die Erwägung, dass lediglich 10% der Kunden, die ein Beratungsangebot erhalten, dieses auch annehmen. Auch die Plausibilität einer durchschnittlichen Dauer eines Beratungsgesprächs von 18 Minuten bezweifelt die Kreditwirtschaft nicht.

2.3. Weitere Kosten

Das Ressort geht davon aus, dass von den aktuell tätigen Immobilienkredit-Vermittlern etwa die Hälfte eine Sachkundeprüfung ablegen muss, da sie nicht lückenlos die erforderliche Erfahrung nachweisen können. Dadurch entstehen für etwa 10.000 Immobilienkredit-Vermittler und jeweils etwa zwei weiteren Mitarbeitern im Einzelfall Gebühren von rund 400 Euro. Die Höhe orientiert sich an der Gebühr, die bei der Sachkundeprüfung von Finanzanlagen-Vermittlern erhoben wird. Die Gesamtsumme der Gebühren für die Sachkundeprüfung, die im ersten Jahr der Umstellung anfallen, betragen also etwa 12 Mio. Euro. Jährlich fallen für die Immobilienkredit-Vermittler Gebühren für die Sachkundeprüfung von etwa 2,4 Mio. Euro an.

Hinzukommen die Gebühren für die Registrierung von zwischen 25 und 40 Euro im Einzelfall. Für das Jahr der Umstellung bedeutet dies einen Aufwand von bis zu 800.000 Euro und für die weiteren jährlich neuen Registrierungen bis zu 80.000 Euro.

2.4. Evaluierung

Die EU-Kommission plant, die Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten bis zum 21. März 2019 zu überprüfen. Das Ressort wird die von der EU Kommission angeforderten Evaluierungsbeiträge erbringen. Eine darüber hinausgehende Evaluierung ist derzeit nicht geplant und soll gegebenenfalls auf den Ergebnissen der EU Kommission aufbauen.

Für den Teil des Regelungsvorhabens, mit dem die Verpflichtung zu einem Beratungsangebot eingeführt wird, sieht das Ressort vor, in fünf Jahren zu evaluieren, ob die mit dem Regelungsvorhaben angestrebten Ziele erreicht wurden.

3. Gesamtbewertung des NKR

Das Ressort hat umfangreiche Anstrengungen unternommen, um den Erfüllungsaufwand zu ermitteln. Es hat dazu das Statistische Bundesamt hinzugezogen. Da der Aufwand von Immobilienkredit-Vermittlern und Finanzanlagen-Vermittlern bzw. Versicherungsvermittlern in vielerlei Hinsicht vergleichbar ist, hat das Statistische Bundesamt bei vergleichbaren Vorgaben auf Aufwandswerte zurückgegriffen, die im Zuge der Finanzanlagenvermittlungsverordnung gemessen wurden.

Zu begrüßen ist, dass das Ressort die Kreditwirtschaft eng in die Abstimmungen zur Abschätzung des Erfüllungsaufwands miteinbezogen hat. Der Kreditwirtschaft liegen nach eigener Auskunft keine Anhaltspunkte dafür vor, die Ausführungen des Ressorts zum Erfüllungsaufwand zu bezweifeln.

Die Berechnungen sind jedoch insbesondere im Hinblick auf die neue Pflicht zur Beratung bei Überziehung des Girokontos wegen fehlender Erfahrungswerte mit zahlreichen Unsicherheiten belastet. Aufgrund dieser Unsicherheiten über die Wirkungen des Regelungsvorhabens unterstreicht der Nationale Normenkontrollrat die Notwendigkeit einer Evaluation, ob die Ziele durch die vorgeschlagenen Regelungen tatsächlich erreicht werden.

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14. August 2015