Nationaler Normenkontrollrat

Gemeinsame Studie von Deloitte und NKR veröffentlicht

„Kostenbarometer Regulatorik“ für Versicherungsbranche und Maschinenbau

Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte und der Nationale Normenkontrollrat (NKR) haben ihre gemeinsame Studie „Kostenbarometer Regulatorik (Kostbar): Regulatorische Aufwände für Unternehmen der Versicherungsbranche und des Maschinenbaus“ veröffentlicht. Die Studie stellt den gesamten Bestand an bundesgesetzlichen Normen auf den Prüfstand und liefert branchenspezifische Zahlen darüber, welche und wie viele Normen die Unternehmen in der Versicherungsbranche und im Maschinenbau beachten müssen.

Dorit Schroeren, Partnerin bei Deloitte, Dr. Hendrik Hoppenstedt, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin und Dr. Johannes Ludewig, Vorsitzender des NKR Dorit Schroeren, Partnerin bei Deloitte, Dr. Hendrik Hoppenstedt, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin und Dr. Johannes Ludewig, Vorsitzender des NKR Foto: Nationaler Normenkontrollrat

Die Analyse bringt auch genauere Erkenntnisse dazu, welche Art von Aktivitäten diese bundesgesetzlichen Normen in den einzelnen Unternehmensbereichen auslösen. Dabei wird die manuelle Klassifizierung von Rechtsexperten durch Natural Language Processing-Methoden analytisch begleitet. Der monetäre Aufwand, den diese Aktivitäten in den Unternehmensbereichen verursachen, wird durch Leitfaden-gestützte Interviews der Bereichsverantwortlichen ermittelt und auf Branchenebene hochgerechnet.

Auf Ebene des Bundes identifizierte das Studienteam 6.459 Normen, von denen 2.331 Normen als relevant für Wirtschaftsunternehmen eingestuft wurden. „Unsere Studie zeigt, dass die Unternehmen allein auf Bundesebene eine hohe Zahl an Normen beachten müssen. Der monetäre Aufwand, der den Unternehmen dabei entsteht, ist beachtlich – wenn auch nicht der alles entscheidende Faktor“, erläutert Dorit Schroeren, Partnerin im Bereich Risk Advisory bei Deloitte. „Neben bundesgesetzlichen Vorgaben müssen Unternehmen noch weitere Vorgaben berücksichtigen, etwa seitens der EU, von Aufsichtsbehörden, faktische Vorgaben aus Urteilen oder aufgrund internationaler privatrechtlicher Standards, die nicht Bestandteil unserer Untersuchung waren“, ergänzt Dr. Daniel Coppi, Senior Manager im Bereich Risk Advisory bei Deloitte.

Aus Sicht der Unternehmen entsteht damit ein komplexes Geflecht an regulatorischen Normen, die beachtet werden müssen. Dr. Johannes Ludewig, Vorsitzender des NKR: „Diese Studie liefert uns wichtige Anhaltspunkte zur regulatorischen Belastung in industriepolitisch besonders relevante Branchen. Jährliche Aufwände von 4 Prozent in der Versicherungsbranche und von 7 Prozent im Maschinenbau, den die Studie ermittelt hat, untermauern Ergebnisse aus ähnlichen Studien. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Bürokratieabbau mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, damit Unternehmen in Deutschland rentabel wirtschaften können. Die Erkenntnis, dass es den Unternehmen egal ist, ob die Belastung durch europäisches, nationales Recht, den Verwaltungsvollzug oder privatrechtlich vereinbarte Normen und Standards entsteht, wird durch diese Studie erneut belegt.“

Angesichts der Fülle gesetzlicher Vorgaben allein auf Bundesebene lag es nahe, einen geeigneten modernen Analyseansatz zu testen. „Die Präzision der Ergebnisse, die wir mit Natural Language Processing-Methoden gewinnen konnten, war beeindruckend“, betont Dorit Schroeren und schlussfolgert: „Künstliche Intelligenz kann Unternehmen beim Thema Regulatorik gezielt unterstützen.“

Der Einsatz von Datentechnologien in der besseren Rechtsetzung ist für Dr. Ludewig von großer Bedeutung und eine wesentliche Erkenntnis der Studie: “Die Verwendung moderner Datentechnologien und insbesondere von Künstlicher Intelligenz eröffnet bei der Gesetzgebung ganz neue Perspektiven. Durch die Ex-Post Evaluationen von Gesetzen wissen wir ziemlich genau, welche Belastungen den Unternehmen bei der Befolgung bereits bestehender gesetzlicher Regelungen entstehen. Diese Daten können nun bei der Planung von Gesetzesänderungen genutzt werden, um ex-ante automatisiert und in einer bisher nicht dagewesenen Genauigkeit abzuschätzen, wie sich geplante Gesetzesänderungen auf die Belastung der Unternehmen auswirken. Die Kostentransparenz bei der Gesetzgebung wird deutlich erhöht, und zwar objektiv und ohne politische Einflussfaktoren durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wir können damit eine neue Stufe Besserer Rechtsetzung erreichen.“

Hier gelangen Sie zu der vollständigen Studie.

2. September 2021