Standardkosten-Modell
Niemand konnte in Deutschland bisher sagen, mit wie vielen Informationspflichten die deutsche Wirtschaft konfrontiert wird, welche administrativen Abläufe in einem Unternehmen zu ihrer Erfüllung notwendig sind und welche Kosten daraus resultieren.
Anfang der 1990er Jahre wurde in den Niederlanden ein Instrument entwickelt, mit dem solche Bürokratiekosten berechnet werden können. Dieses Instrument hat sich mittlerweile als international anerkanntes „Standardkosten-Modell“ etabliert und wird in zahlreichen Staaten sowie auf europäischer Ebene genutzt. Kern dieses Modells ist die standardisierte Darstellung der Bürokratiekosten, die durch die Erfüllung von Informationspflichten entstehen. Zunächst werden modellhaft die Kosten zur Erfüllung einer Informationspflicht bestimmt, die in einem typischen Unternehmen entstehen. Anschließend werden diese mit der jährlichen Anwendungshäufigkeit und der Anzahl der Betroffenen multipliziert.
Beispiel: Was kostet eine Arbeitsbescheinigung?
Zur Berechnung der Bürokratiekosten einer Arbeitsbescheinigung wird dabei zunächst gefragt, was ein Arbeitgeber tun muss, um eine Arbeitsbescheinigung ausstellen zu können (vgl. Abb. unten). Anschließend wird bestimmt, welcher Zeitaufwand mit dem Sammeln personenbezogener Daten und dem Ausfüllen des vorgeschriebenen Formulars verbunden ist. Multipliziert mit den Arbeitskosten des Sachbearbeiters im Unternehmen werden schließlich die durchschnittlichen Kosten zur Bearbeitung einer einzelnen Informationspflicht berechnet.
Anschließend wird die Anzahl der jährlich in Deutschland auszufertigenden Arbeitsbescheinigungen ermittelt. Einzelkosten mal Menge ergibt so die Bürokratiekosten, die in Deutschland durch die Informationspflicht „Arbeitsbescheinigung“ entstehen.
Praktische Anwendbarkeit
Das Standardkosten-Modell ist einfach zu handhaben. Es ermöglicht die flächendeckende Messung der mit dem Gesetzesbestand verbundenen Informationskosten für die gesamte Volkswirtschaft. Zudem kann es auch regelmäßig bei der Schätzung der Informationskosten bei neuen Gesetzentwürfen eingesetzt werden.
Belastbare Ergebnisse
Die mit Hilfe des Standardkosten-Modells ermittelten Ergebnisse sind sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht belastbar.
Das Modell gibt einen detaillierten Einblick in die einzelnen Arbeitsschritte und liefert so Anhaltspunkte für Reduzierungspotenziale.
Nicht zuletzt lassen sich mit der monetären Bewertung gesetzlicher Informationspflichten erstmals quantitative Abbauziele formulieren und die Entwicklung der Bürokratiekosten für die Wirtschaft sachgerecht bewerten.
